Samstag, 20. August 2011

you may have the body but do you have the soul

Untitled by smallcutsensations
Sie fahren in Richtung Norden als gäbe es kein halten mehr. Touristen, sie pöbeln mich an, beschimpfen mich, reißen mich aus meiner guten Laune heraus in den Alarmzustand. Irgendwo das Gefühl, ich hätte gestern das Ende einer Geschichte geschrieben, an der nächsten Straßenecke schreien sie durch die Dunkelheit, als wären sie die einzigen Menschen auf diesem Planeten. Fenster knallen zwei Stockwerke über ihnen, ich weiß gerade nicht, ob ich hier überhaupt sein möchte. Diese Szenetouristen machen es schrecklich, sie machen, dass der Cocktail "to go" ist, dass sich Nazis hier wieder hertrauen und dass sie andere wieder beleidigen können. Sie lassen das alles zu, sie lachen die aus, die hier leben, sie benehmen sich, als würden sie uns angucken, als wären wir im Zoo. Gab es so etwas eigentlich in London? Ich kann mich dunkel erinnern, nur dunkel, leider, aber die Erinnerung in dem hintersten Teil meines Hirns sagt mir, dass es nie so schlimm war wie jetzt, hier in Dresden.
Und dann wieder die Stimme: vielleicht muss man sich ja innerlich aufreiben, innerlich zerstören lassen, damit man schaffen kann. Damit man in der Bedeutungslosigkeit des Seins vergehen, in Armut sterben und im Nachhinein von Menschen gelesen werden kann. Vielleicht muss das alles so sein.
Wieder ein Fetzen Erinnerung. "Und was willst du werden, wenn du groß bist?" - "Darf das arbeiten auch Spaß machen?" - "Klar." - "Ich will Schriftstellerin werden." - "Ach Anke, ich meinte doch einen richtigen Beruf. Schriftsteller braucht doch keiner. Kunst braucht doch keiner." Damals war ich sieben Jahre alt. Sämtliche Ambitionen wurden von meiner Mutter im Keim erstickt.

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hej. alles, was du sagst, ist wichtig.

ich danke dir.