Montag, 30. Juli 2012

all kinds of sights in the middle of the night

Untitled by smallcutsensations

mathilda. eine fragmentfortsetzung.

      mathilda hatte mich genauso abgestoßen, wie alles, was sie mir übrig gelassen hatte; ihr überstürztes gehen und die hektik davor und danach, erinnerungen an meine eigentlich viel zu lange zeit mit ihr, in retrospektive war die dann aber doch zu kurz, um sie so zu kennen, dass ich hätte sagen können, dass wir freunde waren. sie selbst hatte einen ganz anderen anspruch, sie definierte alles eben mit ihrer altmodischen art, sie hatte alles eingefärbt, verklebt, machte es dabei noch zu einem vorwurf.
      gehst du an manchen tagen auch mal aus dem haus? ihr unverständnis, mein zugeständnis, keine kompromisse. der gesichtsausdruck, der mir dann entgegenschlug, hatte es in sich. mathilda. mathilda, wie sie ihren altertümlichen namen aussprach. mathilda, wie sie die zornesfalte zwischen ihren augen zusammenzog, sodass sie noch wütender aussah. mathilda, wie sie anfing zu weinen und ich nicht wusste, wieso. mathilda. es kam nie eine antwort, ein zustand, an den ich mich schnell gewöhnt hatte. eine andere wahl hatte ich sowieso nicht.
      dass sie dann aber mein badetuch mitgenommen hatte, hatte mich doch hart getroffen. ich erzählte ihr ansonsten aber auch nicht allzu viel von meinem leben. sie hatte die angewohnheit, informationen so auseinanderzunehmen, dass sie jegliche romantik, jegliche sentimentalität, aber auch jeglichen sinn verloren. ein mal erzählte ich ihr von einem mann, der mir in der tram begegnet war, eine begegnung, die mich sehr getroffen hatte, angestrengt hatte, die mir den boden unter den füßen weggezogen hatte. so etwas wie schicksal gibt es nicht. mathilda nahm mir alles weg, menschen, begegnungen, erinnerungen und gefühle, saugte sie in sich auf, spie sie nach kurzer zeit wieder aus und ließ alles dann so erscheinen, als wäre es ihr passiert. irgendwann gab es dann einen ihrer typischen nervenzusammenbrüche, sie war sich nicht mehr sicher, was nun noch wahr war. mein ganzes leben ist eine variante destillierter erlebnisse anderer menschen, ein paralleluniversum, etwas, das es gar nicht gibt. 

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hej. alles, was du sagst, ist wichtig.

ich danke dir.