Freitag, 9. November 2012

keep yourself warm

Untitled by smallcutsensations

Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem ich beschlossen hatte, keine Angst mehr vor der Angst zu haben. Und wie lange ich dazu gebraucht hatte. Wie viele Gespräche, wie viel Kraft, wie viel schöne Momente es gekostet hat. Und ich erinnere mich an den Anruf ein paar Stunden später, den, nachdem ich so apathisch mit dem Kopf schüttelnd neben einer Flasche Wein saß. Und M eine halbe Stunde später vor meiner Tür stand und nichts mehr sagte. Und S am nächsten Tag außer Atem vor meiner Tür stand und ich weinen musste und sie, weil ich es tat. Ich weiß noch, wie ich mir dachte, dass ich das schon hätte wissen können und ich weiß noch, wie ich auf meinen Bauch hörte und der mir Dinge sagte, die sich alle bestätigten. Ich weiß noch, wie ich mir sagte, dass das alles ein schlechter Scherz ist. Und ich mir dachte, ich hätte eigentlich alle Gründe, kein einziges Wort mehr zu reden. Wollte nichts mehr essen oder trinken oder irgendetwas tun. Und dann tat ich das, was ich immer tat. Ich bin wieder aufgestanden. Die Sorgen sind geblieben, sie wirken nach, bis heute, sind vielleicht sogar intensiver geworden. 
Irgendwann später der nächste große Knall. Ich weiß noch, wie ich wieder in Deutschland landete und ich weiß noch, wie ich in diesem engen Flugzeugshuttlebus saß und mir dachte, dass ich einfach nur weg möchte. Dass ich geographisch eine Veränderung bräuchte. Dabei war ich noch nicht einmal wieder zu Hause. Ich weiß noch, wie die Abwesenheit der Dinge, der Worte, der Person mich krankgemacht haben und ich weiß noch, wie ich tagelang im Bett lag und mein Mitbewohner mir Essen vor die Tür stellte. Manchmal habe ich es gegessen.
Dann irgendwann wieder ein großer Knall. Da erinnerte mich meine Therapeutin daran, dass ich stark sei. Dass es Grenzen gibt. Dass man diese nicht überschreitet. Verstanden hatte ich das schon Wochen zuvor, aber der Hunger war immer noch nur rudimentär da. Dieselbe Krankheit wie seit Mitte/Ende Juli in meinen Nasennebenhöhlen. Seit Wochen Tee, viel zu viel vielleicht. Hier und da sagen sie mir, ich habe wieder Gewicht verloren. Und dann fragen sie mich, wieso ich immer noch so bin. Ich sage nicht mehr viel dazu. Aber ich würde alles von Anfang an immer wieder tun, fast genauso, nur mit einem Unterschied. Ich würde nicht die Tür öffnen, sondern ich würde um Atem keuchend vor einer anderen stehen.

Du schneidest unsere Verknüpfungspunkte mit einer großen, schweren Schere durch. Ich bleibe Punkt B. Ich hoffe, die Schere ist nicht zu groß und zu schwer für dich. Mich. Uns.

Für immer die Menschen.

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hej. alles, was du sagst, ist wichtig.

ich danke dir.