ich sitze unter dem flughafenfernseher. in meinem rücken, auf meinem hinterkopf, das geräusch von krieg, unterlegt mit einer ruhig erzählenden stimme im bbc englisch. received pronunciation, dazwischen halbherziges englisch der menschen, die der brite mit der ruhigen stimme interviewt; es keimt die frage auf, ob der mann mit dem altmodisch klingenden akzent sich dessen bewusst ist, dass er und die leute, die er befragt, jeden moment erschossen werden können, das würde dann also auch live im fernsehen übertragen werden, reisende würden zu direkten zeitzeugen, dann die frage, wie das wohl gewesen sein muss, als zweitausendfünf die bomben hochgingen, dieser schock und ab dann immer dieses komische gefühl, das mitfährt, jedes komische ruckeln, jeder laute knall; man erinnert sich an den dritten jahrestag, bus vorm arbeitsplatz, ein lauter knall und panisch schreiende menschen, die zu einem gerannt kommen und um hilfe bitten. ein motorschaden, ein prägender moment. wie muss das für die leute sein, die damit arbeiten? jetzt komisches lachen am bildschirm, eine frau mit einer aufgeregten stimme, sie erzählt über die schwierigkeit, den richtigen partner zu finden, gegenüber riecht es nach butterbrot, eine russische dame fährt mit ihrem koffer über meine füße, in meinem hinterkopf jetzt hysterisches lachen, der kommentar, dass der westen reichtum bedeutet, dann wieder die betonung wie schwierig das doch sei mit der partnersuche - mir soll man da mal etwas davon erzählen - und jetzt ziehen sie sich gegenüber die schuhe aus: hässliche fußsohlen; draußen beginnt es zu regnen. london is sad to see you leave. kinder, die lachend umherlaufen, der unfassbar laute fernseher über mir, immer neue nachrichten, noch eine rezession, menschen stehen auf, aber sie bekommen nur etwas gesagt, was sie eigentlich schon glauben zu wissen, zumindest sagen das ihre gesichtsausdrücke und ihre geldbeutel, man merkt, wie manche von ihnen schauen, ob er noch in der jackentasche ist; viele kümmern sich aber nicht darum, schließlich sind sie reisende, sie müssen es nicht, sie sind nicht mit dem land verwachsen: menschen in transit.
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hej. alles, was du sagst, ist wichtig.
ich danke dir.