(St. Pancras Parish Church)
St.-Giles-in-the-Fields. (hier)
Wer bin ich, wenn ich nicht auch mal für mich sein kann, wenn ich noch nicht mal das Rasseln des vorbeirauschenden Verkehrs ertragen kann, ohne mit der Wimper zu zucken, ohne innere Unruhe. Stille als Geschenk, Einsamkeit als Tugend; draußen Dinge erleben, innen Dinge verarbeiten, diese vor sich zu Papier bringen. Auf dem Papier verdauen, im Ohr Musik oder Stille oder Stadtgeflüster, vor den Fingerspitzen ein Stift, festgekrallt, eingekeilt. Tempo herausnehmen, warten, ansetzen zur nächsten Runde Spaziergang, Akklimatisierung, der Verlust des kollektiven Gedächtnisses. Vielleicht war das aber auch der Schock von damals, der Schock von dem ich mich noch erholen muss. Da wird man ganz sentimental, während der Wind über die Nieren streicht, mir meine innere Uhr sagt, dass es Zeit ist, weiterzugehen.
Vom Sonnenlicht durchtränkt, die Schatten kommen wieder, lassen das Licht tanzen; Wind, Licht, Schatten, leichtes Frösteln, umherfahrende Hände, die die UV-Strahlen der Umgebung aufsaugen, im Hintergrund ein wenig Klavier.
Zusammengeklebte Sätze, die nicht unbedingt funktionieren müssen, überwältigende Gefühle, wann auch immer sich Personen von mir entfernen, da wird komischerweise auch die Handschrift kleiner, delikater, fast so, als würde man sich wünschen, dass das alles, alles aufgeschriebene hier, irgendwie verschwinden möge. Arbeit als Vorteil, Entschuldigung, sich in den Park zu setzen und nichts zu tun. Und wie diese Menschen mich dann anschauen, jemanden mit Stift und Papier, so, als hielte man eine Bombe in der Hand, gelegentlich erinnert der Blick nur an einen Albtraum, den wohl jeder schon erlebt hat: nackt in die Schule oder zur Arbeit kommen. Was auch immer. Was auch immer mir dieser Blick mitteilen soll (Interesse, Unglaube, Abneigung), er ist pure Verschwendung.
But then - where are your friends tonight?
Roof Garden Café & Bar. (hier)
Maschinen gen Heathrow im Halbminutentakt. "Every Day Is A Good Day" von John Cage Ausstellung, Kunststudenten mit riesigen Moleskines, um die Ausstellung analysieren zu können, Kopien der an den Wänden hängenden Bilder. Delikat, filigran. Patisserie Valerie mit wunderschönen Auslagen, Bloomsbury, Gower Street. Bisher jeden Tag ein Mensch, der mich auf meine Kamera angesprochen hat, Neuseeländer, Hannoveraner, Südafrikaner. Gespräche über Kunst und Studium, beiläufig, zufällig, angenehm, ob diese Menschen auch manchmal zurückdenken werden an die Begegnung oder das Gespräch? Überschneidungen, Berührungen, die Geräusche dieser Stadt.
Noch mehr Flugzeuge. Wo gehen all diese Menschen hin? Der Gedanke an vollbesetzte Boeing 737-800 und Airbus A380 Maschinen. Riesenvogel, Millionenstadt, Rollbahn; Menschen angesiedelt an lauten Verkehrsadern, hohe Mieten, etwas Gestank lungert an den meisten Ecken im Zentrum, tiefbraunes Wasser, ewig laute Busse, das monotone Rattern von Maschinen. Hintergrundszenarien, kaum bemerkbar, außer man nimmt sich aus dem Kontext heraus. Und wahrscheinlich ist es das, was den Unterschied ausmacht: sich herausnehmen. Wo man lebt, macht man das etwas zu selten. Der Druck, irgendwo hingehen und irgendwo ankommen zu müssen.
Neue Serie: Blick nach oben. Himmel, Architektur, Hauswipfel.
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ich danke dir.