ab montag fange ich wieder von vorne zu zählen an, dann hat die hohe straße mich wieder. ich habe trotz allem die gleiche angst davor, wie vor drei monaten. mein wummern, brummen, dumpfes fiepen im brustkorb und ein schales gefühl in der magengegend, wenn ich an das denke, was in meinen kopf eingekerbt worden ist. weiß nicht wirklich, wie ich meiner therapeutin von dem erzählen soll, was die letzten wochen passiert ist, weil ich nicht mehr wirklich weiß, was es nun eigentlich greifbares war außer einem scheitern in der uni.
dienstag nacht kamen meine eltern wieder aus dem urlaub zurück, mittwoch bin ich wieder nach hause gefahren. mein vater erzählte mir von einer anekdote, die typisch für meine mutter war; beim essen sah ich sie sehr lange an und wusste nicht, ob ich voll mitleid oder wut war. sie hatte mir das eine foto aus der hand genommen, das, von dem ich dachte, ich wäre zumindest teilweise drauf gewesen, gesagt, ich solle nicht in ihren fotos herumwühlen und wiederholte ihre aussage, dass ich es nicht wert genug gewesen sei, als kleinkind fotografiert zu werden, weil ich nur eine kopie meiner schwester war als kind. im nachhinein gesagt: ich war wütend. vielleicht habe ich deswegen, wegen diesem ständigen von außen verursachten umschlagen von hoffnung in enttäuschung, immer schon den standpunkt vertreten, dass nichts ewig hält. das festhalten an totgelaufenes bringt nichts, der fluch als kind - man liebt die eltern unabdingbar, auch wenn es nicht sinn macht.
den tag darauf habe ich mit meinem vater darüber gesprochen, wie das nun für mich war früher, er sagte, er hätte alles getan, damit dieses schwarze loch in meinem kopf nicht in mir rumgeistert, es hat ihn sehr traurig gemacht, das überhaupt sagen zu müssen. wie erklärt man seinen eltern, dass man deswegen nicht mehr leben wollte? ich spare großzügig aus, vieles muss niemand im detail wissen, es reicht aus, wenn ich es zu tragen habe.
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hej. alles, was du sagst, ist wichtig.
ich danke dir.