Montag, 10. Dezember 2012

an army made of fear, how useful is that








Zweiundzwanzig
Ich bin zu spät, ich meine die Öffentlichen, der nasse Schnee, der durch die Füße in den Körper zieht. Bin mal nicht hingefallen, dort, an den komischen Stellen direkt vor dem Gebäude, aber ich bin zu spät. Ein Seufzen, das Abnehmen von Mantel, Mütze, Schal. Wir gehen wieder in den ersten Stock, ich setze mich hin, ich bin wütend, das merke ich und das mag ich nicht. Auf dem großen Aststumpf mir schräg gegenüber sitzen zwei riesengroße Raben, sie starren die ganze Zeit in unsere Richtung. Ich fange an zu reden, zu erzählen, wir sind an manchen Momenten still, dann ist da meine Wut, mein Unverständnis, meine Therapeutin sagt, es sei sehr interessant zu sehen, wie ich nicht meine Schutzmauer hochfahre sondern einen abgrenzenden Zaun mit Tür um mich baue. Wir schweigen oft und ich glaube, wir verstehen beide große Teile nicht. Dann sagt sie ein paar Dinge, die mich nachdenklich stimmen. Sie haben sich jetzt in Abständen drei Mal schriftlich so offengelegt, dass Sie eigentlich nichts mehr klarstellen müssen. Dann zeige ich ihr meine Hausaufgabe, die Sache mit Noah, sie freut sich, sagt, sie sei stolz auf mich, dass ich, auch wenn ich die letzten vier Nächte weinend in Küchen, Badezimmern oder meinem Zimmer saß, daran gedacht habe. Darauf schauen zu Silvester. Ich sage ihr, ich hätte zu Silvester gerne einen Neuanfang: dass ich ab dem ersten Januar sammeln werde, was mir positives passiert ist, jeden Tag, irgendwie. Sie freut das, sie notiert sich die Idee. Mich irritieren die Raben zunehmend, ich sage ihr dann, dass ich eine seit Monaten bestehende Grundhaltung nicht jetzt auf einmal ändere, sie weist auf meinen Zaun hin, dass er momentan richtig ist, dann sagt sie etwas, dass mich in den Kern trifft. Sie gehen mit einer schwierigen Situation um, Sie bitten darum, nicht verletzt zu werden, Sie sehen aber ihre alten Schemata nicht bestätigt - und, ganz wichtig: Sie sind und wirken auf mich nicht depressiv. Es funktioniert also wirklich. Ich habe bin aus meinem eigenen Käfig, dem, der früher Fluch und Segen zugleich war, ausgestiegen. Ganz zum Schluss sage ich ihr, dass ich mir manchmal trotzdem wünschen würde, ein anderer Mensch zu sein, einer, der Sachen nicht so zerdenken muss. Sie schüttelt den Kopf. Falsch, dann wären Sie nicht mehr Sie selbst - ich glaube, Ihnen haben bisher zu wenige Leute gesagt, oder niemand, dass das eine Ihrer Qualitäten ist. Dann reiße ich einen flachen Witz. Ich bin wie ein Anker. Ist ja in meinem Namen. Ich lache nicht, sie schon.

fight for me
or please just
finish me

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hej. alles, was du sagst, ist wichtig.

ich danke dir.