Donnerstag, 24. Januar 2013

I feel me slipping away, I wipe my feelings off, you made me untouchable for life

Untitled by smallcutsensations

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Und dann hatte ich auf einmal im Zug nach Dresden diese latente Panik wieder im Blut und ich musste an S. denken und sah dann, dass Dinge auch funktionieren können, dass nicht alle automatisch verschwinden, nur weil es mal schwierig wird. Dass es den Menschen geben kann, dass wir alle nicht nur hoffnungslose Fälle sind. Irgendwie machte mich das traurig, aber dann auch doch wieder nicht.
Ich habe Dinge per Zufall gesehen, ich habe Dinge gesagt bekommen, Dinge, die ich nicht hätte sehen sollen und von denen man mir nicht hätte erzählen sollen; sie machten mich wütend, dann hilflos und dann dachte ich an dieses verdammte Bauchgefühl und die kleinen Schnitzer in meiner Haut. Narben, du verstehst. Zumindest hoffe ich das. Dann gab es diesen Moment, als ich dachte, jetzt ist es gut und irgendwie kam trotzdem der Gedanke an nichts ist gut zurück. Dass ich nicht direkt darüber schreiben will, auch wenn ich wütend bin. Enttäuscht, verletzt, verstört. Dass ich darüber schreiben muss, weil ich sonst aufplatze, aber es doch nicht tue und ich es bemerkenswert finde, es, dieses nicht reden und mir Dinge gesagt haben, die man nicht meint. Ich wusste schon, was gesagt werden sollte. Wie tief deine Schnitzer gehen, habe ich immer nur erahnen können, ich kann immer nur von meinen reden, anderes steht mir nicht zu. 
Am Abend, vor dem Einschlafen dann stolpere ich über einen Artikel, das Fazit trifft mich in Mark und Bein, man entscheide alles aus Liebe oder Angst, in jedem einzelnen Moment, wie man sich entscheide, wird sozusagen "chronisch". Das Nachdenken darüber, wie meine Entscheidungen zu werten sind. Der Großteil aus Liebe, zu mir selbst, zu einem anderen. Ja, einige aus Angst, vor mir selbst, vor anderen. Angst als Schutzfunktion, ich habe Höhenangst, Angst davor, die Kontrolle über meinen Körper zu verlieren (schließlich ist er das einzige, was ich wirklich habe, alles andere ist rekonstruierbar) oder die Kontrolle über meine Psyche. Alles andere? Eine Warnung, man muss aufpassen, dass diese nicht von alten Oberannahmen gefüttert werden. Aufpassen, dass man sich nicht zerdenkt in dem Prozess.
Am Bahnhof dachte ich oh, vor exakt einem halben Jahr warst du das letzte mal hier. Der Gedanke daran, was ich dort als letztes getan hatte. Der Zug nach Leipzig, der dreiundzwanzig fährt, alle zwei Stunden. Ich bin erschrocken, es roch wirklich nach alten Menschen darin, dann nach den Butterbroten der Frau, die mit ihrem Kind auf der anderen Seite des Gangs saß. Linien, links oben über mir, die, die durchs Land folgen, immer diese Sinuskurven, ich dachte an den Tag vor einem halben Jahr, eine fünfzehn. Ich dachte schlussendlich doch wieder das, was ich immer sagte und letztlich gehe ich immer noch nicht weg, das Meer hat mir das entgegengeschrien, selbst die Gischt und die Möwen und Krähen; der runde Spiegel neben dem TV, ich konnte im Zimmer, im Bett liegend, das Meer sehen, mich selbst und mit Drehen zur Seite das leere Bett neben mir. Nichts auf der anderen Seite habe ich berührt. Habe die Schokolade liegen lassen, habe die Kissen so gelassen, die merkwürdig dünne Decke. Ich war und bin immer noch analog in fast allen Belangen und ich habe geatmet, ich habe mich in der Tat nach außen gezittert, man wird immer so angenehm relativ am Meer. Ein Entenpaar, das mir folgt, es hat mich beäugt und umgekehrt, ich musste lachen, weil ich an meinen Namen denken musste und an die Bedeutung einer falschen Aussprache dessen im Schwedischen. Die Menschen, die am Strand Französisch reden, sie erzählen einander von der Côte d'Azur und dass es dort so teuer sei und viel zu warm; ansonsten gibt es nur Leute, von denen ich mehr verstehen kann, weil sie irgendwie in meinem Kopf dieselbe Sprache sprechen wie ich, dann hört man genauer hin und bemerkt, dass es doch eine andere ist.
Die Angst vor mir selbst, vor meinem eigenen Scheitern, habe ich heruntergeschluckt. Was nützt sie mir, ich kann in stereo fühlen, das bringt man sich bei, das machen andere nicht. Andere machen einen nur dann glücklich, wenn man es auch selber kann. Die Angst können sie beruhigen, das innere Zittern muss man selbst verschwinden lassen. Ich bin autark, man sollte mich um meiner Selbst willen lieben, es gibt mich in meiner Zusammensetzung nur ein einziges Mal, auch wenn es so erscheint, als sei ich ein Kaleidoskop, wenn man mein Inneres näher betrachtet. Löcher will ich nicht hinterlassen haben, aber auch wenn ich das getan habe, glaube ich nicht, dass sie von Bedeutung sind oder waren oder sein werden.

Momentan ein Projekt von mir, ich schreibe, dann im Kontaktbuch diese eine Adresse und auf einmal kam in mir wieder der Gedanke aus dem Krankenhaus hoch: wofür zur Hölle leide ich hier eigentlich? Ich brauche meinen persönlichen Zeilenumbruch, werde nicht mehr an mir scheitern, bin warm und stark und garantiert nicht dumm oder der Psycho für den man mich dank Psychiatrieaufenthalt zu halten scheint. T., der sagte, die meisten interessanten Menschen haben irgendeinen Schaden. Im Kopf vervollständige ich eine Liste psychisch kranker Schriftsteller, Künstler, Schauspieler. Psychisch krank, angekratzt, eingekerbt, was macht das schon für Unterschiede. Am liebsten soll man die Fäden sehen, die übrig geblieben sind von den Wunden von dir, etwas, das man erst notdürftig wieder zusammengetackert hat, neue Haut, noch weicher als der Rest. Wieder diese Kerben, Erinnerungen an Für immer die Menschen, die Dielen, deren Knarzen, für was zur Hölle hälst du mich eigentlich? Antwort: irrelevant. Dann irgendwann: langsam wird es egal. Es ist langsam zu spät, ich habe etwas besseres verdient: für mich selbst. Ich will leben, ich will nicht nur in dieser Schwebe sein, dieses Beinahe-Leben, brauche keinen Brandbeschleuniger. Nie habe ich etwas anderes gemacht, immer gebrannt, es hat selten jemand gesehen. Selten: das waren die Menschen, die ich mal geliebt habe.

2 Kommentare:

  1. i wish i could understand what you are saying. nevertheless your pictures look wonderful!

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    1. thank you, nileta. there's a google translator tool on the bottom of the page in case you want to see it translated into your language.

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hej. alles, was du sagst, ist wichtig.

ich danke dir.