ich lese eines dieser bücher, das viele andere schon gelesen haben, eines von denen, das viele andere gerne geschrieben hätten, eines von denen, das ich viel zu lange zeit nicht lesen wollte; ich erinnere mich daran, wie ich eigentlich schreiben wollte. meine worte, abgefärbt auf ihnen ein dichtgewebter teppich aus sätzen, die andere schon vor mir geschrieben haben. das dort macht sich anders bemerkbar, vielleicht hat die bürde der leute, die "davor" geschrieben haben, auch an den nerven der schriftsteller gezehrt, die jetzt meine vorbilder sind. sommeranfang, offiziell. ich vergesse die namen der wochentage, auf denen ich gerade verweile. falsch klingt das, garantiert ist es falsch. "juan david" schreit die mutter neben mir, meine augen sind ganz klein. mit manchen menschen mag ich nicht so viel platz teilen, ich schiebe das auf den sog im kopf, früher dachte ich, dass das ein schlechter charakterzug sei.
mir unbekannte gesichter, daneben weint eine frau in der bahn; ich filtere alles, manches lasse ich bei den fahrten durch die stadt, die ich nicht liebe, an meinen kern. selten, zugegeben. dann ein schreiben um zu begreifen, ein festhalten an stift und papier, ich will worte bluten, die trost stiften, ein wohligwarmes gefühl um die herzgegend, dann ein mühsames abpulen der verschiedenen schichten vergangenheit. die erkenntnis: ich bin schon immer so viel mehr gewesen als nur ein gestern.
eins.
es ist merkwürdig, wieder da zu sein. ich erzähle meiner therapeutin von den letzten zehn wochen, sie sagt, dass es zum letzten termin eine schwere depressive episode war, dass sie sich sorgen gemacht hätte. wäre ihre selbstreflexion nicht so gut, wie sie ist, wäre ein stationärer aufenthalt zu empfehlen gewesen. im rückblick fällt mir erst auf, wie schlecht es mir gegangen sein muss. mittendrin ein wolkenbruch, wir starren beide aus dem fenster, diesmal ein großer raum, ich würde zu gerne fragen, ob ich von dem licht, in dem ich sitze, ein foto machen darf, zum schluss kein verschlussklicken. ich bin fest der meinung, dass es sinn macht und einen grund hat, wie die dinge in ihrem leben momentan zustande kommen. nach kurzer zeit finde ich den weg zurück zu dem schwarzen loch im kopf, wir werden im nächsten semester meinen unialltag organisieren, sie ist eine der wenigen, die mir keine vorwürfe machen wegen meiner verhaltensweisen im universitären umfeld. sie sind ein schwimmer auf hoher see, ich bin in dem rettungsboot neben ihnen und sage ihnen, wie hoch die wellen sind, die kommen, aber schwimmen müssen sie allein. ich erzähle ihr von geschichten, die mir andere über ihre begegnungen mit therapeuten geschildert haben und sehe, wie schockiert sie ist, wir wissen beide, dass ich glück habe und wir sind beide wütend wegen der anderen therapeuten. donnerstag fangen wir an, meine vergangenheit aufzurollen, von anfang an, ich weiß noch nicht genau, wie ich mich deswegen fühle, nur bin ich sehr froh, den kompletten tag ausfüllen zu können mit der bewältigung dieser sitzung. zum schluss reden wir relativ ungezwungen über den therapieverlauf, über ihre arbeit und warten das ende des wolkenbruchs ab. ich erzähle ihr von einer begebenheit, die ich sehr lustig fand und wir lachen für ein paar minuten, während es draußen zu regnen aufhört. endlich ein ort in dresden, der mich nicht verurteilt.
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hej. alles, was du sagst, ist wichtig.
ich danke dir.