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Mittwoch, 26. Dezember 2012

oh, just finish me


für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

Wir haben zu viel darüber geredet, nein, ich meine wir haben zu viel nicht darüber geredet. Vielleicht fühlt es sich deshalb so an, als es würden wir in einem dieser Bücher leben, wo sie die wichtigen Worte herausgeschnitten haben und nicht unterstrichen. Du weißt schon, wie bei Jonathan Safran Foer. Und genau das ist kein Missverständnis. Weil du nicht mehr von deiner Odyssee zurückkommen wirst und weil ich trotzdem eine Penelope bin, eine, die geduldig ist und wartet. Aber dann habe ich heute verlernt, an die Geschichten in den Büchern zu glauben, denn du bist nicht darin, ich ebenso wenig. Du tauchst auch sonst nicht mehr auf, das ist einfach, du hast die Sitzfläche auf meinem Stuhl desinfiziert von dir, so rein wie in einem frischen gut geputzten Operationssaal und trotzdem eitern meine Narben, sie brechen so auf, als wäre ich gerade am Zergehen. Dabei sagen sie mir es liegt noch so viel vor mir.
Ja, die Tapete wieder, Raufasertapete, dann sind da Menschen, bei denen Dinge funktionieren und dann die andere Seite. Die Menschen, für immer. So oder so rede ich mir das ein, aber sie bleiben nicht, nicht für immer zumindest. Hier reichen sie mir Limonade, dort reichen sie mir Wein. Worte von vor Monaten, denen ich nicht mehr Glauben schenken kann, ausgeschnitten aus  Briefen wie bei Foer, du weißt schon, mein sich kaputtkämpfen, umsonst, wie alles in diesem Zimmer umsonst war. Ist. Der ewige Kampf gegen das Präteritum macht meine Gegenwart kaputt.
Da drüben auf dem Fensterbrett eine neue Grünpflanze, in der Waschmaschine Kleidung, das Fenster in der Küche ist noch auf. Die Dielen sind zu splitterig, die Zukunft kam zu spät - Widerhaken: nicht im Holz, mitten in meiner Haut. Mittendrin. Du lässt mein du zu Ende gehen, unbequem, es hat zu sehr gezwiebelt in der Haut, vielleicht. Unverschlüsselte Austauschbarkeit, du machst es deutlich. Alles geht vorbei, alles von dir, du selbst gehst vorbei, falsche Prämissen. Ich kann nicht mehr von dir schreiben: du bist nicht mehr das du, das mit zitternden Beinen auf meinem Stuhl saß. Du bist nur noch ein Geist in meinem Blut, überall. Und jetzt? 

Menschen, für immer. Vielleicht, irgendwann.
"Such dir jemanden, der dir nicht wehtut" singen alle anderen mir vor. Ich zumindest werde nie wieder ans Telefon gehen.

Donnerstag, 29. November 2012

dream me, oh dreamer



für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

Das sind die Kerben, die in ein paar Jahren nach Charakter aussehen, die, die man auch nicht mehr wegfräsen kann, dazu müsste man die Dielen komplett austauschen, dann könnte man eigentlich gleich schon die gesamte Wohnung neu einrichten. Ich fahre durch die Schnitzer im Boden, mal mit dem Nagel, mal mit den Fingerkuppen, finde nicht, dass man diese Zwischenräume wieder ausfüllen müsste. Sie stehen so im Kontext wie die Interferenz von dir und mir und allem, was auf dich und mich einprasselt, gelegentlich ist es Regen, dann ein Blizzard, an manchen Tagen ist es die Sonne, Nebel oder direkt eine Bahn Wasser aus dem Wasserhahn.
Meine Augen drücken, das ist wohl die Ratlosigkeit, das ist wohl das Ausbleiben, die Abwesenheit, meine Hände dort, wo deine Haut die Laken gewärmt hat, die Erinnerung daran, was ich immer sagte und sage und sagen werde, neben dem Bett liegen Abzüge, der wachsende Stapel aus Büchern, die ich wohl doch nie lesen werde. Da drüben geschriebene Worte, das sind deine, sie sind Monate alt, ich hebe sie auf.
Du hast ein paar Kerben vor dir, deine Hände fahren die Widerhaken nach, du schneidest dich an altem Stacheldraht, der dabei ist, zu verrosten, er schneidet mal mehr, mal weniger, er ist noch da, aber die Tage bewirken, dass du dich immer weniger so richtig daran erinnerst. Bei dir stehen keine Blumen auf dem Fensterbrett, keine, die du so gießen musst wie die bei mir, da ist auch keine Waschmaschine, die du anstellen musst. Da ist deine Essenz, das ist das, was eigentlich immer noch auf dem Stuhl neben meinem Fenster sitzt, während ich noch deine Hände in meiner Haut spüren kann. Aus der Wochenzeitung, die ich abonniert habe, aber nie lese, würde ich mit dir gerne die unwichtigen Worte streichen, damit das, was wir uns versprochen haben, als einziges übrigbleibt.

Samstag, 24. November 2012

but be prepared to bleed



für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

Das wird schon alles wieder vorbeigehen, das sagst du zumindest, das sage ich, das sagen wir alle, aber dann reden wir von diesem unerklärbar nach unten drückenden Stempel, diesem komischen Stück aus Last und selbstauferlegter Bürde. Das ist dieses Ding, das man Aufrichtigkeit nennt, das kann einem niemand vorwerfen, das kannst nur du selbst und dann zwiebelt es besonders hart auf und in der Haut. Es ist eine kleine Erinnerung an das, was du dir sagst, das sind Dickichte in den Luzidträumen, sie verfolgen einen gelegentlich, das ist die Starre, wenn man nicht in den eigenen Körper zurück kann, diese Lähmung, die einen an das Gefühl erinnert, beim Gedanken an etwas aufzuwachen, das man letzte Nacht fast schon vergessen hatte. Omnipräsenz in der Abbauphase, dann das Einfahren in den Körper, allein, alleine in das, wo mal zwei gewohnt hatten, zurück in die auf einmal viel zu große Hülle, die trotz allem so gut sitzt, dass man nicht aus ihr herausplatzt wie ein zu voll gestopftes Sofakissen. Das ist wohl vorrangig so etwas wie eine Murmel in einer überdimensional großen Urne, dieses Sich-Selbst-Ausfüllen, das schon vorher mal funktioniert hat, das, was man immer erst wieder erlernen muss.
Die Blumen auf meinem Fensterbrett sind mittlerweile vertrocknet, das war zu erwarten gewesen, wie soll das auch alles funktionieren, so ohne Wasser, und die Blaupause meiner Gedanken in Richtung Leben funktioniert auch nicht so wirklich. Ich habe es mir hier häuslich eingerichtet, um den Schlafplatz auf den Dielen herum all meine Nachrichten, ein Stift, immer Papier, der Drang, alles, aber auch alles restlos zu sezieren, bis ins kleinste Detail, ähnlich, eine Art MRT, bloß eben, dass die Maschine schon in mir ist. Man muss nicht mehr hinaussehen.
Und du zündest dann die Briefe an, die, die nicht kommen, du lässt es teilweise vor sich hinflackern, weil die Flamme doch noch etwas wärmt, aber was macht das schon mit dem Zwischenraum des ja und nein und nichts? Man kann nur Vermutungen aufstellen, aber das Blut pulsiert durch die Adern und Venen und Organe, fährt auch in die Schlangenbeine, zieht den Fokus vom ja und nein und nichts zurück auf das, was so vorzüglich in der Brust vor sich hinpocht.
Vor dem Fenster schreien sie in Sprachen, die unfreundlich klingen, hier und da kommen Rauchzeichen an, riecht es nach Fisch und verbrannter Kohle. Dann die Schwärme voller Krähen ein paar Meter über dem Feuer, dem Wald, sie ziehen Richtung Flughafen, so halb in einer Formation, die an das Aufklaren nach einer Schlechtwetterfront erinnert. Wie das Gefühl, das man beim Ankommen an einem weit entfernten Ort hat, auf den man sich seit Wochen freut oder die ersten Tropfen heißes Wasser, die einem unter der Dusche die Haut verbrennen.
Die kühle Luft fährt an einigen Tagen noch durch die Kleider, die zweite Haut an meinen Beinen war doch zu dünn. Aber auch wie bei mir ist deine Epidermis unversehrt, man könnte fast übersehen, was so schmerzt, aber ich kenne das, ich habe es gesehen, erinnere mich an es, weiß, wie es sich anfühlt und wie es aussieht, eine Art schwarzer Schatten direkt unter der obersten Schicht, manche verwechseln das mit einem Grauschleier. Das ist das, was heilt und noch wehtut, habe ich immer gesagt, füge für mich hinzu: dir und mir. Und auch das ist der Wachstumsschmerz, von all meinen Worten müssten dir eigentlich noch die Ohren bluten, aber obwohl ich froh bin, zu hören, dass da kein Blut auf den Boden tropft, fließt, denn hören könnte ich nur dessen Echo, bricht mir die Wehmut darüber den Brustkorb auseinander. Wenn die anderen dann noch unseren alten Fußspuren nachjagen, denen, die wie in Beton eingelassen vor sich hinprangern, nicht ruhen lassen können, kein zur Ruhe kommen für deine Haut, kein Wunder, dass manches so wundgescheuert ist.
Von draußen bringt der eine oder andere Dinge mit, die sich in meine Netzhaut einbrennen, Gegenstände, Erinnerungen, die weder meine noch deine sind, ich frage mich, ob gelegentlich dein Arm noch einschläft, ob der Berg aus »hätte«, »sollte« und »würde gern« bei dir ebenso stetig anwächst, wie bei mir; der Gedanke daran, dass ich mich hätte kurz an den Widerhaken festhalten sollen, vielleicht den einen oder anderen herausreißen sollen, damit du weißt, dass es auch ohne geht. Meine Anker, meine Karabiner hängen nur noch in meinen Füßen. Von Tag zu Tag mein Rendezvous mit dem Dielenboden, ohne geht es nicht, das Holz flüstert schon, es flüstert dasselbe wie ich, seit Monaten, es ist kaum noch zu hören, es braucht, so wie meine Haut, gelegentlich etwas Feuchtigkeit, damit es weiter sagen kann, was vor ihm schon in mein Blut übergegangen ist: ich warte, das Holz erwartet deine Schlangenbeine. Es erwartet, dass deine Widerhaken, ähnlich wie meine, Kerben in es hineinschlagen werden, Lebenszeichen, Signale, das ist der menschliche Schmerz, das ist Leben, das ist das, was seine Spuren hinterlässt.

and all the tiny holes in your soul
beautiful soul
&

Donnerstag, 15. November 2012

get free

Untitled by smallcutsensations

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.


Ich schiebe Zettel unter der Tür durch, manchmal bleiben sie an den Dielen hängen oder landen direkt im Raum zwischen ja und nein und nichts, hier muss ich mich bewegen, damit das Holz nicht noch mehr Schiefer in meine Haut reißt, dort muss ich still halten, damit ich das glauben und verstehen kann, was sich alles schon in dem Raum zwischen ja und nein und nichts befindet. Noch kann ich dich hören, sicher bin ich mir nicht mehr zu genau darüber, was du eigentlich gesagt hast. Das sind die Büchertürme um mich herum, Abbildungen von Kopien von Gedanken einiger Menschen, die Dinge gedacht haben, die ich nie denken konnte. Früher mehr erlesen als erleben, die berühmten Namen, die du bestimmt auch hast, also die für dich allein; ich frage mich, ob das freiwillige Schlafen auf kaltem Beton nicht schon in der Haut schmerzt, das muss doch selbst unter Betäubung wehtun, so ganz allein, dort im Dunkeln.
Ja, keiner der Zettel wird ankommen, das ist wie mit den Burggräben, das ist wohl wirklich der Raum im ja und nein und nichts, und weil ich das weiß, sammle ich sie alle in einer Kiste, eine, die du wohl nie sehen wirst und vielleicht weißt du das sogar und vielleicht frage ich mich deshalb, wieso dein Burggraben so tief und so unüberwindlich geworden ist, dass man noch nicht einmal von der einen Seite auf die andere Seite rufen kann, weil alles in einem Echo verhallt. Ich halte noch die Decken bereit für deine zitternden Schlangenbeine, selbst für die Widerhaken auf der Innenseite deiner Haut. Das Hoffen, dass du nicht mehr über sie stolpern wirst, sondern, dass du endlich für dich aufstehst. Das Hochgehen von Treppen, dort oben findest du dich selbst, dann die Feststellung, dass das wirklich so sehr wehgetan hat, dass man sich fragt, wie das alles auszuhalten war, da unten, da auf dem kalten Beton, da, wo es dunkel ist, da unten im eigenen Dickicht. Und womöglich bist du dann, nach dem Herausschälen aus dem Dickicht noch stärker als ohnehin schon, nicht nur womöglich sondern ganz bestimmt und vielleicht weißt du dann, was ich meinte, als ich dir sagte, dass alles, was war, dich auf das vorbereitet, was wird. 
Und du, wo bleibst du dabei, könnte man fragen, dabei weiß ich noch nicht einmal wer man ist, aber ich könnte davon erzählen, wie du ganz unverhofft vor meiner Tür gesessen hast, wie ich selbst keinerlei Kraft hatte, wie ich noch nicht einmal die Waschmaschine anstellen oder mich selbst zudecken konnte, einfach, weil ich erfrieren wollte, weil mir nicht bewusst war, wo alle meine Reserven hin verschwunden waren. Und ich könnte davon erzählen, wie du nicht weggegangen bist, obwohl ich nicht wusste, wer du bist und wieso du mir warme Suppen reichst, ich glaube, ich wäre sonst verhungert.
Dann könntest du mich fragen, wieso ich nichts mehr gesagt habe, wieso ich dich scheinbar vergessen habe, ob ich dir wehtun wollte, wieso ich nicht vor deiner Tür stand, so wie du es für mich getan hattest. Ich würde dir jetzt antworten, aber ich wüsste nicht, ob du es verstehen würdest, denn ich würde dir dazu zu gern eine Geschichte erzählen, weil es eine ist, die vom Finden und gefunden werden erzählt, sie mich warm hält und weil sie nicht vom Vergessen handelt. Letztlich aber würde ich dir vorerst sagen, dass man manchmal, wenn man wegradiert wird, erstmal das sein muss, was der andere sich wünscht. Damit man sich irgendwann wieder kennenlernen kann.
Trotzdem höre ich dich von Zeit zu Zeit schlottern, dann denke ich an deine warme Haut und hoffe, dass du genug wärmende Kleidung hast, damit deine Haut warm bleibt. Und nicht nur das.

I wept when we parted
And wept when we united
In poverty, my love
we have everything

//

Sonntag, 28. Oktober 2012

all the fears you hold so dear

Untitled by smallcutsensations

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.


nachdenken über den begriff alltag, sezieren in einzelteilchen, zusammensetzen, die meinung im kleinen oder eben die im großen. alle tage, jeder tag von neuem, neuer anfang, beginn, gar kein trott, nichts alltäglich, weil alles immer neu, ich du wir, der herzschlag. jeden tag etwas neues, jeden tag die möglichkeit, dass etwas zu ende gehen könnte, intensiver leben, bewusster, ich schaue dir in die augen, du brennst dich weiter in meine netzhaut ein, meine worte in dein gedächtnis, unsere gegenwart in unsere blutkreisläufe.
wir brechen alles herunter, bis zu den protonen, vielleicht sogar bis zu den quarks, ich weiß nicht, was das ist, du wahrscheinlich auch nicht, wir haben es irgendwo in der zeitung gelesen, meine deine unsere haut wieder so altertümlich glänzend im schreibtischlampenlicht. selbst das ist nicht das ende, nervenstränge, nervenbahnen, feuerwerkskörper im gehirn, du ich wir.
ich sammle teile von mir, von dir, halte sie an einem platz fest, einem platz in mir, einem, den du nicht kennst. ich kann mich dank all dieser kleinen teile, einige von ihnen kleiner als konfetti, immer wieder zusammensetzen. ich weiß, dass du das auch kannst. wenn dann dein platz unausgefüllt bleibt, ein loch an meinem schreibtisch, licht dort, wo du gerade sitzt: fahre schon deinen schatten nach, den auf den dielen, den um dich herum. fahre die erinnerungen nach, das kleingeschnittene, das großgeratene, das warme, sehe all die vorherigen versionen eines 'du', während du selbst mir nichts anderes als deinen nackten rücken hinstreckst, konstatiere, nichts von all dem ist falsch. da ist er wieder, der im schock schnell herumgedrehte kopf, der zweifelnde blick. ein falsch kann für den moment sogar richtig sein, sage ich, man muss nur wissen, wann das ich auf dem weg zum meer ist und wann auf den weg in einen bunker. die reaktion abrupt, das knarzen meines stuhls, als du dich erhebst, du gehst ein paar schritte durch mein zimmer, bleibst immer wieder stehen, hängen, deine widerhaken halten dich selbst beim gehen auf.

du bist das meer, deine gischt schlägt dir und mir ins gesicht; raue see, verbunden mit all dem anderen wasser, meine augen grüngrau, du regnest mir auf den körper, nein, das ist dicker, nasser schnee, der zwiebelt noch nicht einmal so richtig auf der haut. an meiner weichen oberfläche prallt alles ab, du wirkst überrascht. das ist nicht der stolz, der greift, das ist etwas anderes. der stolz ist das, was mich mittlerweile aufrecht stehen lässt. 
der platz auf den dielen hinter der tür ist mir noch vertraut, bekannt, das holz dort hält noch etwas restwärme in sich fest, vielleicht sind das aber auch nur die leitungen, die zu den heizkörpern in der wohnung führen, mein ohr auf dem boden, mein körper wieder zur katze zusammengerollt. ich liege wieder hinter der tür, du auf einer anderen seite, auf kaltem beton.



and all the fears you hold so dear
will turn to whisper in your ear

Donnerstag, 11. Oktober 2012

you are a storm, you are my little storm

Untitled by smallcutsensations

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.


ich gestehe dir, dass ich vergessen habe, wie es ist, gerade zu stehen; schlichtweg, weil das sich abstützen, das gebeugte sitzen, so viel mehr sinn macht und ich verrate dir, dass ich mich gerade wieder aufrichte und dass es mich schmerzt, gelegentlich, nicht immer. du sagst dann etwas in richtung dir komme das bekannt vor. die blaue stunde halte ich dir in meinen handflächen vor die nase, du schaust mich fragend an. das kommt aus mir, das ist in mir, das ist melancholie, damit lebst du, damit lebe ich, damit zu leben ist gelegentlich schwer, aber wieso muss man alles immer an seine angst koppeln? du weißt nicht, was du mir dazu sagen sollst, ich lege eine hand auf deine brust, eine hand auf deine lenden und schiebe deinen rücken gerade, es strengt an, findest du, ich nicke, ich kenne dieses gefühl. ich richte mich ebenso auf, es tut mir weh. das ist nötig, sage ich, erinnere mich dabei wieder an meinen anfangswunsch, meine hoffnung, dass du bei mir nach dem rechten schauen würdest, verwerfe sie, krame sie dann letztendlich doch wieder permanent heraus, lasse sie wie einen immer warmen becher voller heißer schokolade neben mir stehen und denke an den geruch deiner haut, den ich immer noch in meiner nase habe.
ich weiß nicht, wo du sie auf einmal hergeholt hast, aber du schaust dir mit leidenschaft bilder von einem gestern, einem damals, einem vergangen an, einem, das seine spuren an dir hinterlassen hat, spuren, die ich kenne und in mir selbst trage; all die widerhaken, von denen wir schon vor einiger zeit geredet hatten, halten mich nicht auf, ich trage sie selber in mir, wie ich es dir schon so oft gesagt habe; die vermutung, dass du dich an diese gespräche nicht mehr erinnern kannst und dann meine angst, dass mir alles durch die finger gleitet, ähnlich wie fließendes wasser oder wie der sand in einer sanduhr, wie alle konstrukte. wie zeit, wie epochen, wie raum, wie kultur, wie meine worte, überhaupt meine sprache. wie ich alles hinterfragen muss, weil ich sonst keinerlei greifbaren anhaltspunkt mehr habe für das, was tatsächlich existiert. es ist alles nur im kopf entstanden, könntest du mir sagen, eine leidenschaft für vergangenes voraussetzend. und dann meine bestimmtheit, meine etwas forsch klingende stimme, wenn ich sage ich habe nicht jahrelang auf dich gewartet, um dich an deine vergangenheit und deine ängste zu verlieren und dein erst gleichgültiges, dann berührtes, dann verstörtes, dann nachdenkendes herz.
du sitzt im kalten, ich habe hinter mir die badezimmertür zugezogen, aber nicht abgeschlossen und dusche so heiß, dass mir vor hitze eine gänsehaut den körper hochsteigt, dann fängt es an zu brennen. rote stellen, striemen in haarform, meine haut so weich wie du es vorher von niemandem kanntest, nicht wundgelebt, nicht vergangen an dem gestern, vorgestern, vorvorgestern. neu aufgeblüht, gestärkt, nur für deine hände und schlangenbeine durchlässig, durchsichtig, sie dampft, als ich wieder in mein zimmer trete, um deine gegenwart wissend, und ihr geruch zieht, ähnlich wie du, wie ein liebevoller sturm, der sich schon lange nicht mehr aufhalten lässt, in deine richtung.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

if I am alive this time next year

Untitled by smallcutsensations

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.


du sagst nichts, dann sprichst du, du sagst damit alles und nichts. wir sind mit dem boden verwachsen, alles, was du verloren hast, sind etwas zeit und ein paar meiner nerven, sage ich, und ich für den moment meine worte.
sie knallen mit den wuchtigen altbautüren, die wände wackeln bis vor unsere füße, unter mittlerweile warmen decken ist das alles aber nur noch halb so schlimm. und wieso warst du nie wütend oder rasend? auf meinen lippen noch etwas restwärme, wütend war ich, enttäuscht war ich, gewartet vor meiner wohnungstür auf dich habe ich, tagelang, aber vielleicht war es einfach noch nicht die richtige zeit für dich, zu mir zu kommen. ich hätte dir noch so gerne ein paar andere worte gesagt, aber ich hebe sie mir auf für ein später, eins von der sorte, auf das es sich zu warten lohnt. dein steifer nacken, herbstliche spiegellichtspiele auf den dielen und auf deiner haut, ich muss schmunzeln, beinahe hätte ich von dem holz geredet, aus dem du geschnitzt bist, von den holzträgern, die dich halten, von meinem geäst, das schon seit einiger zeit in dich hineingewachsen zu sein scheint.
sagen kann ich kaum etwas davon, du schmeckst nach orangensaft und pizza und den hoffnungen dieser welt, ich kann nicht reden, weil sie mir den atem nehmen, sie haben es schon immer getan. ich konstatiere, das fieberthermometer wieder zwischen meiner haut: das ist keine krankheit, das ist eine wahl, die ich getroffen habe, deine augen sind etwas störrisch, du fragst, fragst nach, aus, vor und zurück. ich habe es dir doch immer gesagt. es geht um ruhe, entgegne ich dann, das ist dieses ganz ruhig zwischen den stoffbahnen liegen und deine gedanken anfassen können. ich sehe deine schlangenbeine unter all den schichten stoff, die du aufgetürmt hast, fast so, als könnten sie zu einer mauer werden, die ich nicht durchdringen kann. hinter manchen deiner fragen wittere ich etwas, den feinen stechend-süßlich beunruhigenden geruch der ungläubigkeit etwa, halbgesundes misstrauen, das ich von mir kenne, wenn jemand menschen, die ich liebe, zu nahekommt, ohne mir etwas davon zu erzählen.
erlebnisse aus deinem mund, du erzählst mir von ihnen, als wären sie vor jahren passiert, als würde es einen unterschied machen, wann ich von ihnen erfahre, du bewertest, ohne, dass du auch wirklich eine bewertung unternehmen willst. du sagst mir, ich sähe müde aus und krank, ich solle schlafen. seit tagen schon wüten die bakterien in mir, du bist schon durch den sturm gegangen. die dicken decken, dein atem, eigentlich sind wir gesund, es geht uns gut, manchmal ging es uns schon besser, aber weil alles, was gut ist, nicht so leicht in den fingern zu behalten ist, zwiebelt es immer noch sehr auf den alten narben. ich habe ein paar stunden geschlafen, ich liege auf dem bett, in noch mehr stoffbahnen, auf dem kleinen tisch neben mir eine fast nicht mehr dampfende suppe. die augen muss ich zusammenkneifen, ich sehe deinen nackten rücken mir zugewandt wieder auf dem stuhl sitzen, ohne zittern, ganz ruhig, das fieber hat mir die haare an die stirn geklebt. manche sachen muss ich nicht überdenken, einmal angestoßen, laufen sie ganz natürlich durch die adern, die schilddrüse, die nieren. bleiben im blut, halten warm.


because you know, my dear,
it's only fear
that keeps you locked in here

Dienstag, 25. September 2012

I follow rivers

Untitled by smallcutsensations

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.


an manchen tagen fahren wir die schatten nach von worten, die wir hätten vor langer zeit sagen sollen. liegen auf dem boden und hören dem punkerpaar unter uns beim streiten zu. deine augen sind traurig, die dielen haben sich in meine schulterblätter gefressen, meine finger auf deiner nackten haut, eine erinnerung an uns, aufgesplittert in kleine strasssteine, die uns beide zu kaleidoskopen machen. du drehst dich ein wenig im licht, irgendetwas ist unwirklich an uns, du hattest immer angst, mich nicht mehr halten zu können; nichts ist unwirklich an uns, ich habe nur keine angst mehr vor der angst.
ich erzähle dir von landeanflügen, von der idee, dass man ängste ähnlich pflücken kann, wie man es scheinbar bei wolken tun kann, erzähle dir von den luftlöchern, in die ich immer hereinzufallen scheine; du lachst, wie wir beide nackt auf den dielen liegen und uns in die augen sehen, erinnert mich etwas an die vorstellung, die ich von dir hatte, bevor du meine haut angewärmt hast. deine hände ziehen mich über den boden in deine richtung, kein zentimeter mehr platz zwischen dem einatmen und dem ausatmen, unter uns schreien sie sich an, über uns trampeln kinder leicht monoton und dumpf, ich denke an meinen herzschlag, dein nacken liegt direkt vor mir wie eine gut gemeinte mahnung - die definition deiner muskeln, die mich in ihrer weichheit in den wald und an das meer ziehen.
dann erinnere ich mich daran, dass ich nie etwas anderes sagen wollte, als das, was du schon weißt; mein erzählen von nächtlichen startbahnen und wie matt es mich macht, all diese lichter zu sehen und sie doch nicht greifen zu können - deine beunruhigung, ich streiche dir die mittlerweile langen haare aus dem gesicht, deine mimik versteinert. ich wäre den ganzen weg zu dir gerannt, flüstere ich in deine richtung, bestrafe mich nicht dafür, in deiner haut eingetaucht bleiben zu wollen.
deine schlangenbeine zittern noch sporadisch, wärmen meinen schüttelfrost weg, die unruhe steckt jetzt in meinen gliedmaßen, denn ich musste an die aussentemperaturen denken, an all die klirrende kälte, die sich bald durch die lungen schlägt. hast du angst, fragst du mich, angst vor der abwesenheit der dinge? ich nicke, nur vor deiner. das punkerpaar unter uns schreit weiter, türen fliegen, sie weint, er droht, sie zu verlassen, dumpfe stimmen aus dem off, aber wir sind still. reiße mich zusammen, spüre deinen körper ganz nah an meinem, dein puls in mir. und du, wovor hast du angst?

listen to yourself and your ambiguity

Samstag, 15. September 2012

on the grass under the moon

Untitled by smallcutsensations

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.


vielleicht haben wir auch nur so oft über die nacht geredet, weil die vorstellung, alleine zu sein, während alle anderen schlafen, zu unerträglich ist. wenn es dann noch andere, erstmal einzelne gibt, die durch die dunkelheit ziehen, weil sie es nicht anders kennen - gewohnheit, arbeit, altersbedingte schlaflosigkeit - wird mir mit jedem deiner atemzüge noch bewusster, dass es keine selbstverständlichkeit ist, dass du neben mir liegst, in meinen armen zitterst und ich dich riechen kann. haut, fast so weiß wie porzellan, robuster als man denkt, eine feste hülle, innen mit vereinzelten narben versehen. dein atem, in meinen lungen pfeift es, dein rücken ist nass vor fieberschweiß. es dämmert draußen, ein gedanke an die anderen körper, die ich berührt habe, sie haben in der sonne geschimmert, aber sie haben selbst nie so gestrahlt wie du. erahnen konnte ich es an mancher stelle, sie haben nie durch mich hindurchgeschaut, es war nie, als würde ein zweites augenpaar exakt das gleiche sehen können wie meins, auch wenn es nicht physisch am selben ort verweilt. als hätte ich sehen gelernt, als hätte ich vorher hunger gehabt, aber konnte nie etwas finden, das auch nur annähernd so wärmend von innen war.
meine schultern müssen in deine richtung gesunken sein, deine fingerabdrücke auf meinem rücken, ich mag einfach nur so hier liegen. ob die lichter am fluss in der hitze flackern? du fragst mit einer verschlafenen stimme, ich habe lange nicht mehr darüber nachgedacht, vor allem aber nicht, weil du, wenn ich an dich denke oder dich sehe, mich ans meer erinnerst. deine schlangenbeine wickeln sich um mich herum, es ist fast so, als würdest du meine hand nehmen, um mit mir zu tanzen.

Sonntag, 9. September 2012

to be alone with you

Untitled by smallcutsensations

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

in meinem kopf fahre ich mit dir durch länder, die ich in dunklen filmen gesehen habe, länder, die ich nie mit eigenen augen sehen konnte. alle ihre farben sehe ich vor mir, hier ocker, da weinrot, dort grau, dunkelgrün neben saftigem korngelb und einem blau im hintergrund. dein lachen kann ich ebenso hören wie dein schweigen und ich kann fühlen wie sich alles ergänzt, auch durch das laut und leise von mir. dein herzschlag flattert, dann wird er ruhiger, meiner pocht tief, vorstellungen von ideen von reisen im kopf - ich weiß nicht, ob das das fieber ist oder schon von sich aus einer meiner wunschträume. du hast mich zurück ins bett getragen, ohne, dass ich es wirklich habe mitbekommen können, hast die beiden decken aus dem staub gehoben und mich mit ihnen zugedeckt. frierend liegst du unter einem handtuch und ein paar bettlaken, mich schaut dein gesicht an, ich schließe die augen, weil ich möchte, dass sie meine haut imprägnieren, dass sie sie so wasserabweisend machen wie neopren. 
meine augen bleiben geschlossen, aber ich sehe die erde, das holz und das feuer deiner iris immer noch vor meinem zweiten paar geschlossener lider, meine augen müssen voller grün und röte sein, ich weiß es nicht genau. deine blauen flecke formen muster auf deiner haut, sagst du, du drückst mir auf die beiden deutlich hervorstehendsten hämatome und wartest auf eine reaktion. wir haben beide immer noch schüttelfrost, das ist wohl die äußerliche manifestation von dem, was sich innerlich abspielt. es tut am meisten weh, menschen in sein herz zu lassen, die einen ins mark treffen, du kriechst mit den laken und dem handtuch unter meine beiden dicken decken, ich fahre dir über deine wange und öffne meine augen, weil ich weiß, dass du genau darauf wartest. aber da bist du schon eingeschlafen, dein zittern spüre ich jetzt am ganzen körper, ich hätte dich viel früher in die arme nehmen sollen.

Dienstag, 4. September 2012

poetry

Untitled by smallcutsensations

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

der windhauch zwischen meinem zimmer und den anderen fühlt sich so an, als würdest du mir gerade mit deinen fingerspitzen über den nacken fahren. ich erschrecke mich leicht, draußen ist es noch diesig, es klart aber auf. du bist mehr als das echo von menschen von vor einigen monaten, sage ich dir, als du die anzeige auf dem alten quecksilberthermometer abliest, du bist mehr als deine narben und das zittern in deinen beinen. meine augen tragen wieder deinen wald in sich, eigentlich eher immer noch, ich habe es in der reflektion meines ichs gesehen, das auf der fensterscheibe, etwas eingerückt, entfernt steht.
du sitzt, eingepackt in dicke decken, die deine beine ein wenig herunterdrücken, weiterhin auf dem stuhl, ein wenig zusammengeklappt, beinah so, als würden auch deine schultern deinen körper nach unten ziehen, du sagst, es seien fast vierzig grad fieber, deine augen sind matt und brennen wie feuer auf meiner haut. ich denke an die vierzig grad in meinem kopf und ich weiß nicht, ob ich dir davon erzählen kann oder nicht.
als du weg warst, habe ich bei jedem klingeln gehofft, es wäre dein gesicht, das sich hinter der tür verbirgt, meine finger fahren um die stuhllehne, ich kann mich sonst nicht auf den beinen halten, aber du bist nie gekommen. du lächelst traurig, so, als wüsstest du nicht genau, was du sagen sollst, vielleicht denkst du an all die konjunktive, die dir früher schon durch den kopf gegangen sind. es ist schon ok, murmle ich dir in den hinterkopf, meine beine immer noch so unbeweglich wie deine, ich gehe nicht weg, ich bleibe hier bei dir, was auch immer du sagst.
du stehst auf, die decken fallen vor dir in den staub, den ich seit monaten nicht mehr weggewischt habe, deine augen brennen immer noch auf meiner haut. ein festhalten an meinem handgelenk, du schweifst über die großbuchstaben der zeitung, deren titel ich dir vor ein paar minuten schon vorgelesen habe, du setzt an, um etwas zu sagen, deine stimme wieder so brüchig, von pausen durchsetzt wie schon einmal. du siehst die hitze in meinem kopf, du fasst mir an die stirn. du hast fieber, flüsterst du, ähnlich wie bei dir ist meine haut nass von der temperatur in meinem körper. wir haben schüttelfrost, deine hand liegt noch auf meiner stirn. meine hand an deinem brustkorb, an deinen narben, dein herz schlägt ruhig vor sich hin; solange es schlägt, ist alles in ordnung.

but how am I to forget you're there
with your skin under my nails?

Freitag, 31. August 2012

I still find cracks in this thin crust

Untitled by smallcutsensations

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

da sitzt du vor mir: in deiner essenz, destilliert, gepresst, an einigen tagen macht mich das traurig, ich hoffe, du verstehst. etwas schlechtes muss das nicht heißen, vielleicht ahnst du das; ich bin das meer, das sich immer wieder an deiner küste bricht, immer wieder zu ihr zurückkommt. letztlich bin ich immer mehr meer als wald gewesen, auch wenn ich dich rufen hören kann, dich und deine zittrigen schlangenbeine und ich weiß, dass sie inmitten von grün stehen, hier im schatten, dort im licht, das durch die bäume fällt. ein rufen aus einem traum, so scheint es manchmal, du hast alles zusammengepackt, was du von mir gefunden hast und hast es dir in den brustkorb gelegt, vorher hast du noch meine blumen gegossen, die geschirrspülmaschine angestellt und mir eine suppe gekocht, so, wie du es mir versprochen hast. dankbarer könnte ich dir nicht sein, die möglichkeit besteht, dass du das nicht sehen kannst. bei dir aber sehe ich das alles, ich sehe auch die schatten, die du auf den boden wirfst und auf meine füße, wenn ich hinter dir stehe, aber schlecht ist das auf keinen fall, ich lebe damit, du steckst eben in deiner haut.
nach sechs monaten hat sich alles erneuert, sämtliche hautzellen sind dann unverletzt und man kann nur noch die narben sehen, wenn man genauer hinschaut als noch vor einem halben jahr, sage ich, du schaust mich ungläubig an, das hast du irgendwo in einem buch gelesen. ich nicke, etwas anderes bleibt mir nicht übrig, ich bin etwas hilflos. endlich stehe ich auf und lege dir noch eine decke über die beine, streiche darüber, hole die wochenzeitung aus dem briefkasten und finde alte nachrichten von dir auf dem weg zurück, ob du dich an sie erinnern kannst, weiß ich nicht so recht. in großbuchstaben schreiben sie von irgendeiner krise, einem anschlag, einer versöhnungsaktion auf internationaler ebene. in ein paar tagen werden wir uns nicht mehr daran erinnern, es mag sein, weil es daran liegt, dass unsere persönliche geschichte alles überstrahlt oder weil wir nicht mehr aufnehmen können als die luft, die wir atmen.
nebenbei muss ich ein paar sätze aufschreiben, ich kritzele fast, später werde ich nichts mehr lesen können, aber ich muss mich erinnern, an diese unter den decken zitternden beine, an haut, an deinen geruch, an die worte, die du mir an den mund gelegt hast. wie im vorbeigehen beginnst du ein buch zu lesen, nein, es zu durchblättern, man kann deine augen förmlich funkeln hören, du sprichst meinen namen mit diesem besonderen weichen druck aus, der meine vokale singen lässt.
du bist wie ein garten, sage ich, und ich kann ihn in jeder faser deines selbst sehen, auch in den teilen, die du nicht magst. ich lege dir das alte fieberthermometer in die hände, deine beine zittern nicht mehr.


as I try peeling it strikes me
(cause still some things come from within)
the feeling of being human
from wearing animal skin

Sonntag, 26. August 2012

open your eyes

Untitled by smallcutsensations

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für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

du stehst immer noch am fenster und gehst in gedanken die haken auf der innenseite deiner haut durch, zählst sie, machst eine bestandsaufnahme, schaust mich dann mit diesem gesicht an, das ich schon ein paar mal gesehen habe. in dir eine panik und eine traurigkeit, etwas, das ich verstehen kann, etwas, das ich die ganze zeit schon aus freien stücken mitgetragen habe, ohne, dass es dir bewusst war. vor dem fenster fallen jetzt regentropfen im sonnenschein, sie sehen aus wie bindfäden, eigentlich eher etwas durchsichtiger, ihr klang auf dem fensterbrett klingt vertraut wie ein rufen, eins, das ich früher schon gehört haben muss, so wie du. deine schlangenbeine fangen an zu zittern, vielleicht ist das fieber, das von innen nach außen bricht, das abfallen der anspannung, oder aber es ist die manifestation deiner angst. irgendetwas murmelst du, deine stimme ist zittrig, kaum zu hören, du lässt lange pausen.
es gibt nie einen richtigen zeitpunkt für irgendetwas, sage ich, mein kopf schüttelt sich langsam, es hat noch nie einen richtigen zeitpunkt für irgendetwas gegeben. du setzt dich auf den stuhl beim fenster und zitterst weiter vor dich hin, scheinbar ruhig, obwohl es an deinen füßen weiter brodelt, du sagst mir nicht alles. der himmel vorm fenster ist pechschwarz, es kommt kaum noch licht ins zimmer, mein bettlaken sticht mir auf einmal in die seite. das alles hier ist nicht vorbei, der regen ebenso wenig, so einfach geht es nicht. 

Sonntag, 19. August 2012

and the hammer hits the string and the dust flies

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für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

oft mag ich den gedanken, dass ich einfach nach hause komme und du vor meiner tür stehst oder auf der letzten stufe vor meinem treppenabsatz sitzt, nicht, weil es so ungewöhnlich ist, dich zu sehen, sondern weil ich dein gesicht sehen will, weil ich den moment in deinen augen sehen will, in dem du weißt, dass ich es bin, die gerade auf dich zugelaufen kommt. dann bin ich oft wie gelähmt, manchmal so wie du, eine bewegung von dir und ich erinnere mich an den alten affen angst und an die worte, die er mir jahrelang ins ohr geflüstert hat, an die narben, die auch ich in mir trage. staub, der in mir aufwirbelt, manchmal mir auch einfach nur entgegenstiebt, selten aber nur habe ich probleme beim luft holen, denn die lungen bleiben unberührt.
unter deinen händen ist eine decke, unter die ich mich flüchte, wenn ich versuche, nicht nass zu werden, du sagst dann, dass es dort warm ist und voller licht und du auch an ein paar tagen dort verweilst, wenn meine hände auf der decke sind. ich rolle mich wieder ein wie eine katze, ich kralle mich dabei nicht in deiner haut fest, meine wärme an deiner haut.

Samstag, 16. Juni 2012

it seems everything that we touch gradually turns into piles of dust

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eine fragmentfortsetzung. (für immer die menschen)

du sagst, du hast schon zu viele an diese stadt verloren, an dieses merkwürdige licht ab halb fünf morgens, an die stille im lauten, ich nicke ermunternd, ich mag gern den rest deiner geschichte hören, um dir die nostalgie von den lippen ziehen zu können, ähnlich wie man eine zwiebel häutet. ohne das aufsehen meiner augen sprichst du nicht viel, du folgst ihnen, als wären sie fingerspitzen auf deiner haut. das licht hinter dir blendet mich schon seit einigen minuten, ich störe mich nicht daran, meine pupillen noch kleiner als stecknadelköpfe, man glaubt, überhaupt nichts mehr sehen zu können. je mehr du erzählst, desto tiefer dein blick, das bettlaken, in das ich mich gewickelt habe, ist ganz zerknittert, es hält noch einige deiner worte fest, einige von denen, die ich ähnlich wie bonbons rundgelutscht habe, kleine steine, wie vom meer verwaschen. beiläufig starre ich auf deine schlangenbeine, zu ihnen dringt kaum helligkeit, sie stehen ruhig, felsen in der brandung, unversehrt. gelegentlich frage ich mich, wie sie dich eigentlich tragen können, wenn dein kopf so schwer ist wie dein herz und du selbst sagst, dass dieses im raum steht wie ein riesengroßer block aus sandstein.
wann auch immer wir beieinander nach dem rechten sehen, verdichten wir die zeit, vielleicht bin aber auch nur ich es, die deinen atem fühlen kann. du magst dies wohl ebenso wenig merken wie die tatsache, dass ein herz nicht an einem anderen hängen muss wie ein briefbeschwerer. das ist wie anderen auf die hände zu sehen, darauf zu schauen, was sie in ihnen tragen, wie die finger halten, ob dreck unter ihren nägeln ist und wie viele kerben auf ihnen sind. arbeitende gelenke, grazile glieder. alles was sie, wir, ich und du schaffen, ist größer als die summe ihrer einzelteile. du könntest mir den kopf verkleben, könntest schonmal das wasser aufsetzen für meinen lieblingstee, den, der so nach wärme und weihnachten zugleich riecht und ähnlich wie meine gedanken, mal bitter und mal süß schmeckt. vielleicht würde ich dir dann eine decke um die schultern legen, damit du nicht mehr allzu sehr frierst und deine schlangenbeine es warm haben und dich noch ein wenig weiter tragen können. nicht nur vielleicht - ganz bestimmt.

Montag, 11. Juni 2012

I've got you under my skin, where the rain can't get in

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eine fragmentfortsetzung. (für immer die menschen)

du sagst, du kannst nicht schlafen, weil so vieles omnipräsent ist. das leiden vergangener tage, ein schwelbrand im körper. die linien umfahren wir einmal auf diffuse und einmal auf klare weise, das ist wie mit eingeschlafenen gliedmaßen, sie sind erst scheintot und nur nach und nach, unter schmerzen, kommt wieder gefühl in sie hinein, bis man sie schließlich wieder komplett benutzen kann. genau das gleiche am morgen, wenn daumen und zeigefinger erst erneut lernen müssen, wie es ist, einen stift zu halten. man weiß, dass irgendwann alles gut werden wird, man sieht nur das ende seiner schmerzen nicht mehr. 
du stehst auf und stellst dich an eines der viel zu großen fenster, eines von denen, die mich aufgrund des lichts, das sie ins zimmer fallen lassen, zum fluchen bringen, wenn ich schlafen will und es draußen schon zu hell ist. dein rücken leuchtet so weiß wie die tapete an der wand. in den abgrund könntest du schauen, in deinen ganz persönlichen oder aber in meinen; du wirst dir vielleicht gedanken machen darüber was du machen wolltest, ich denke daran, was es ist, das ich sagen könnte, das dir verständlich macht, dass ich so schnell nicht von deiner seite weichen mag. in meinen worten ein festhalten am alltag und in meinen ohren das fiepen, das so sehr an einen tinitus erinnert, dass es alles andere überschattet. ich schaue dir zu, schaue dich an und erahne die melancholie in deinem körper. an nichts könntest du denken, es könnte aber auch ein nichts in deinem kopf sein, eins von der sorte, die einen gefangen halten, wenn man zu viel oder zu wenig geschlafen hat. 
ich habe meine ruhe verloren, murmelst du gegen das glas, es bildet sich gerade noch so ein kondensationsnebel an der scheibe, er verschwindet träge wie die gänsehaut, die sich in meinen kern bohrt. wo du gelegen hast, ist es noch warm; vielleicht können wir einander beibringen, wie es ist, zu sehen, du auf mir auf deine, ich dir auf meine art.

Samstag, 19. Mai 2012

we're reflections in white washed glass

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eine fragmentfortsetzung. (für immer die menschen)

nach einiger zeit könntest du mich fragen, ob meine haut schon immer so rauh war wie die einer rinde, ob es dort schon immer die spuren anderer gab, mal hineingebrannt, mal hineingeschnitten, fingerabdrücke, ähnlich wie die von dir, nur an anderem ort, an anderer stelle. vielleicht weiß ich dann nicht, wie ich antworten soll, das ist dann sogar trotzdem gut, denn du kennst meine antworten schon lange bevor ich sie zu ende gedacht habe. spiegelmenschen, teilweise gefangen im zwischenraum zwischen leere und lebensdurst. und weil mich all das immer noch so oft müde macht, werde ich mich neben dir einrollen wie eine dieser angenehmen alten katzen, die man vorrangig in der sonne findet und die schnurren, damit man nicht von ihrer seite weicht.
von draußen dringt das licht in unser zimmer, da ist meine hand wieder an deiner schulter, schweigen tropft auf deine haut, wir warten noch auf irgendein zeichen, weiterschlafen zu dürfen. den einen tag kommt es in briefform, den anderen in form von nichts, es rauscht schließlich schon vertraut in der ferne. der geschmack von luft, wir schieben uns in eine richtung, ein ständiges aufeinanderzudriften, ich habe in letzter zeit nur von dir geredet. die blumen auf dem fensterbrett hast du nicht vertrocknen lassen, du fährst mir über die hände, als würden sie dadurch wärmer. an manchen tagen macht mich dein blick traurig, es ist, als hätte dir jemand erde und holz und feuer in die augen gelegt, aus meinen spukt mal das meer, mal der wald, aber ich bleibe still, starre in diese seltsame ruhe hinein und befürchte, dass du meine worte vergessen könntest. du streichst mir über die haare.

Donnerstag, 10. Mai 2012

take care

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eine fragmentfortsetzung. (für immer die menschen)

du wirst ein und aus gehen, dein schatten, ein fader geruch von sommer und ein wenig zimt auf der haut. als hätten wir den langen gardinen an der terassentür an warmen tagen nie dabei zugesehen, wie sie mit dem licht spielen, als hätten wir nie etwas schöneres gesehen. wir können uns abwechseln beim leben, ich kann dir durch die haare fahren oder die hand auf der schulter liegen lassen, bis du dich beruhigt hast und wieder tief ein- und ausatmen kannst. meine worte, die, die so angenehm weich durch den raum hallen, die, die dich auch mal spiegeln oder auffangen können, die, die du in ansätzen schon neben meine füße gelegt hast, um mich zu wärmen. 
in der tageszeitung schreiben sie am einen oder anderen tag von dingen, die interessieren, wir überschreiben ihre schlagzeilen, weil sie die vorlage bieten für das, von dem wir später erzählen werden, all den guten und bösen ereignissen, wir werden sie verknüpfen mit unserem atem, herzschlag, pulsierenden blut. des öfteren können wir uns aber überhaupt nicht mehr erinnern an das da draußen, weil alles zu einem einzigen großen rauschen geworden ist; das warten auf das einsetzen der ersten töne, wir leben uns vielleicht von moll zu dur, die herzen voller sand und eingetrocknetem wein. ich nehme meine hand von deiner schulter, um die narben auf der innenseite deiner haut einzucremen, du zuckst oft, weil es brennt und zwiebelt und du dich an ihnen bisher immer wundgescheuert hast. meine stimme singt sich heiser durch die nacht, aber ich höre nicht auf, mich mit ihrer melodie in den schlaf zu tragen.

Donnerstag, 26. April 2012

hounds of love

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ein fragment

gelegentlich hoffe ich, du wirst kommen, um nach dem rechten zu sehen, um zu schauen, ob meine blumen noch genügend wasser haben, ob ich genug gegessen habe und ob der briefkasten nicht überläuft. vielleicht hinterlässt du dann sogar eine zeitschrift, eine kleine notiz und eines meiner lieblingsbücher, eins von denen, die du du dir vor jahren von mir ausgeliehen, aber nie zurückgebracht hast. du könntest die fenster schließen, die seit tagen offen stehen, in die der staub hineingerieselt ist; staub von der straße, pollen von den bäumen ein paar meter unter allem, dreck aus anderen städten.
ich habe es dir doch gesagt, könntest du mir ins ohr flüstern, ein paar sekunden bevor du mir das bettlaken richtest und eine tasse tee neben mein bett stellst. du würdest wahrscheinlich einen becher waschmittel in die waschmaschine kippen, sie starten und von dingen erzählen, die die welt bedeuten. vielleicht wartest du dann auf meine antworten, sprichst so schnell, dass niemand folgen kann, eventuell aber redest du dann doch überhaupt nicht. manchmal erwarte ich, dass du dich durch meine gedanken summst, wie eine melodie, die man nicht vergessen will, doch dann stelle ich fest, dass nur ich dich so in meinem kopf behalten kann. so wie die erinnerung an licht, das ich vor jahren gesehen habe, sich in meine netzhaut gebrannt hat.

I've always been a coward
And I don't know what's good for me